Beiträge von tala2019

Ich bin Tala T. und schreibe gern und viel. In meinem Blog soll es um das Schreiben an sich gehen und ums Lesen. Gerade beschäftigen mich historische Themen, Zeitreisen und Science-Fiction.

Welche Möglichkeiten gibt es, ein Buch zu veröffentlichen?

Wenn man ein Buch geschrieben hat und es veröffentlichen will, bieten sich einem inzwischen viel mehr Möglichkeiten als in der Vergangenheit, als Autoren ausschließlich auf Verlage angewiesen waren. Da ich selbst gerade die Vor- und Nachteile der verschiedenen Arten der Veröffentlichung abwäge, möchte ich daraus einen kleinen Überblick erstellen. Bitte ergänzt und korrigiert mich per Kommentar, sollte ich etwas vergessen haben. Ich plane, die verschiedenen Themen in eigenen Blogposts zu vertiefen.

Buch geschrieben – und dann? Das sind die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung.

1. Der klassische Weg: Die Buchveröffentlichung über einen Verlag

Trotz aller neuer Möglichkeiten, bietet es sich natürlich immer noch an, einen Verlag zu finden, der neben der Bucherstellung mit Lektorat, Layout, Covergestaltung hoffentlich auch die Vermarktung in die Hand nimmt.

Das Manuskript direkt an einen Verlag senden

Um überhaupt die Verlage auf sich aufmerksam zu machen, kann man sie einerseits direkt anschreiben. Da viele Verlage aber unzählige unaufgefordert eingesendete Manuskripte bekommen, stehen dabei die Chancen für unbekannte Autoren eher schlecht.

Die Zusammenarbeit mit einer Literatur-Agentur

Deshalb sollte man abwägen, sich zuerst bei einer Agentur zu bewerben, die dann hoffentlich den Markt viel besser kennt als man selbst und hervorragende Kontakte in die Verlagshäuser pflegt. Viele Verlage vertrauen dem Urteil einer angesehenen Agentur eher, als Experimente einzugehen. Die Agentur kassiert dann eine Provision für die Vermittlung, die ungefähr 15-20 Prozent des Erfolgshonorars entspricht. Je erfolgreicher das Buch wird, desto mehr verdienen Verlag, Agentur und Autor. Dafür übernimmt die Agentur die Optimierung der „Bewerbungsunterlagen“ für ein Buch, die Vertragsverhandlungen und die Abrechnung mit dem Verlag.

Hier habe ich eine Liste mit Agenturen, die auch Fantasy verlegen, erstellt. Weitere Listen sind geplant.

2. Der unabhängige Weg: Self-Publishing

Hat man weder bei Agenturen noch bei Verlagen Erfolg gehabt, kann man sein Buch immer noch selbst veröffentlichen. Auch dafür stehen (inzwischen) verschiedene Wege offen. Die Akzeptanz von Werken im Eigenverlag auf dem Buchmarkt wächst.

Self-Publishing über Dienstleister

Egal, auf welcher Plattform man sein Buch als Self-Publisher anbieten möchte, man muss sich auch selbst um Lektorat, Gestaltung und Vermarktung kümmern. Um erfolgreich zu sein, muss man hier besonders viel Aufwand betreiben. Manche Anbieter wollen ein E-Book exklusiv vertreiben, andere sind offener. Wichtig ist auch zu wissen, dass es verschiedene E-Book-Formate gibt, die nicht jeder Reader lesen kann. Gerade Amazon (Kindle) setzt hier auf sein eigenes System. Hierzu plane ich definitiv noch vertiefende Blogposts. Einen tollen Einstieg und Überblick bietet die Seite Selfpublisherbibel.

Druckkostenzuschussverlage

Sucht man per Suchmaschine nach einem Verlag, stolpert man sehr schnell über sogenannte Druckkostenzuschussverlage. Hier kostet die Veröffentlichung den Autor sehr viel Geld und am Ende bleibt die Vermarktung trotzdem vor allem an ihm selbst hängen. Viele abschreckende Beispiele solcher Verträge gibt es hier. – Dann doch lieber zu Amazon oder einen eigenen Verlag gründen!

Gleich selbst Verleger werden?

Hat man ohnehin ein Faible für Vermarktung, dann kann man durchaus auch überlegen, einen eigenen kleinen Verlag zu gründen. Natürlich sollte man sich bewusst sein, dass man seine Zeit dann nicht ausschließlich mit Schreiben verbringen kann, sondern auch für Kommunikation, Vermarktung, Buchhaltung und Finanzen aufwenden muss. Das sollte man nur tun, wenn einem das auch Spaß macht!

Lügen, Wahrheiten und einige Klischees im romantischen Cornwall

Manche Orte scheinen sich als besonders begehrte Romanschauplätze zu manifestieren. Cornwall zum Beispiel. Als ich neulich die drei Bücher der Lügenwahrheit („Ein Augenblick für immer“) von Rose Snow verschlungen habe, war meine Lektüre von Sandra Regniers Pan-Trilogie noch gar nicht so lange her. Deswegen kam mir das wildromantische Setting mit tosendem Meer, kleinen Küstenorten und Steinkreisen doch sehr bekannt vor. Aber von Anfang an.

Das Cover "Ein Augenblick für immer - Das erste Buch der Lügenwahrheit" von Rose Snow fotografiert an einem Baumstamm
Cover „Ein Augenblick für immer – Das erste Buch der Lügenwahrheit“ von Rose Snow

Zwei mysteriöse Jungs und eine aufregende Gabe

Die Bücher der Lügenwahrheit ordnen die Autorinnen selbst ins Genre „Romantasy“ (Romanze + Fantasie) ein – die Hauptfiguren sind etwa 17 Jahre alt. Obwohl ich schon länger keine 17 mehr bin, lese ich auch solche an Jugendliche gerichtete Romane sehr gerne.

Ich mag die Grundidee von Rose Snows Lügenwahrheit-Trilogie: Die Hauptperson June zieht von Frankfurt nach Cornwall, um ein Jahr bei ihrem Onkel zu wohnen, dort in eine Schule zu gehen und sich aufs Studium vorzubereiten. Dort erwacht in ihr eine geheimnisvolle Gabe, die sich scheinbar innerhalb der Familie vererbt: Nach dem Besuch eines Steinkreises kann sie plötzlich zielsicher zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Den Steinkreis hätte es meiner Meinung nach dafür nicht unbedingt gebraucht, er wird in vielen anderen Romanen schon quasi überstrapaziert. Aber mit Lüge und Wahrheit lassen sich hervorragende Konflikte und Gedankenspiele zaubern. Für zusätzliche Spannung sorgen Junes beiden geheimnisvollen Cousins, ihre magischen Gaben und die Dreiecksbeziehung, die sich dann entspinnt. Und ein Fluch, den es aufzuhalten gilt.

B. Cotham (-), Water Mill Lamorna Cove, Cornwall, 19th century (Quelle: Statens Museum for Kunst, Europeana, CC0)

Durchgehend spannend – leider zu viele Klischees

Das Autoren-Duo Rose Snow schafft es, die Spannung in der Geschichte durchgehend aufrecht zu erhalten und schreibt auch mit einem gewissen Humor. Am witzigsten finde ich, dass die Hauptperson June den Tick hat, hin und wieder an mehr oder weniger passenden Stellen Statistiken einzuwerfen. Ich liebe Statistiken 😉 Ich mag den Schreibstil von Rose Snow wirklich, weshalb ich sicher auch einige ihrer anderen Buchreihen lesen werde.

Meine Lieblingsfiguren im Buch sind Junes neue britische Freunde Lily und Grayson, die mit ihrem witzigen Geplauder die Geschichte angenehm aufmischen.

Für meinen Geschmack hätte der Fluch kein „echter“ (klischeehafter) Fluch (mit Donner, Geist, Hexe, Leiche und allem drum und dran!) sein müssen. Und dann noch in Cornwall, wo Flüche und Magie offenbar an jeder Ecke lauern. Die Spannung um die geheimnisvollen Gaben hätte vielleicht auch etwas subtiler aufgebaut werden können, überraschender womöglich.

Die begehrten Cousins müssten wegen mir auch nicht quasi überirdisch gut aussehen und noch dazu abnormal reich sein. Ich meine, welche Art von Männern möchte Frau Anno 2020 denn anschmachten? Offenbar müssen sie immer noch gutaussehend, stark und etwas schroff und noch dazu reich sein… Ich weiß gar nicht, WIE OFT Cousin Blake Hauptperson June insgesamt retten musste! Dabei ist sie beschrieben als ein intelligentes, schlagfertiges, sportliches Mädchen.

Alles in allem bekommt man hier aber zuverlässig unterhaltsame und spannende Lektüre. Für einen lange bleibenden Eindruck reicht es bei mir allerdings nicht.

Wie ist deine Meinung? Welche Klischees aus Romanen liest du gerne/nicht so gerne und warum?

Wie geht Schreiben mit dem Autorenprogramm Patchwork?

Zum Schreiben habe ich normalerweise nur zunächst Papier und Bleistift und im zweiten Durchgang ein einfaches Textprogramm wie Word oder OpenOffice Writer gebraucht. Doch letztes Jahr stieß ich zufällig darauf, dass es auch Schreibprogramme speziell für Autoren gibt, die noch viel mehr Tools bieten, die einem die Organisation einer längeren Geschichte oder eines Romans erleichtern können. Nichts davon ist meiner Meinung nach etwas, was man nicht anders – d.h. gratis und mit herkömmlichen Mitteln – auch hinbekommt. Die Stärke der Programme liegt aber darin, dass sie viele Funktionen bündeln. Hier kommt mein Fazit nach 4 Monaten Test.

Notizbuch und Bleistift am Strand,
Immer noch mein erster Schritt beim Schreiben: Bleistift und Papier an jedem erdenklichen Ort.

Patchwork Autorenprogramm oder Papyrus Autor?

Nach einiger Recherche habe ich die Programme Papyrus und Patchwork in der Testversion ausprobiert. Mit beiden Programmen kann man sein Buchprojekt nicht nur niederschreiben, sondern auch planen, die Recherche ordnen und sortieren, überarbeiten und in verschiedene E-Book-Formate und Print-Layouts exportieren. Das Testen würde ich auf jeden Fall empfehlen, denn beides sind Bezahlprogramme.

Schließlich habe ich mich für Patchwork entschieden, obwohl Papyrus die aufgeräumtere und übersichtlichere Programm-Oberfläche hat. Ausschlaggebend für mich waren die Tools zur dramaturgischen Planung des Erzählstrangs, zum Entwerfen der Charaktere und die ausgefeilte Rechtschreib- und Stil-Korrektur. Ich denke aber, dass beide Programme beinahe genauso viel können – die Entscheidung ist letztlich Geschmackssache.

Fazit nach 4 Monaten Test

Inzwischen nutze ich Patchwork seit vier Monaten. Ich arbeite so, dass ich meinen Roman zuerst per Hand in hübsche Notizbücher schreibe – einfach, weil ich die leichter unterwegs herausholen und ohne Umschweife losschreiben kann. Im Alltag bleiben mir oft nur eine halbe Stunde hier und eine Stunde da zum Schreiben. Da lohnt es sich kaum, den Computer zu starten. Wenn ich das Geschriebene dann irgendwann abtippe, ist das bereits der erste Korrekturdurchlauf.

Jetzt habe ich Patchwork auf einem neuen USB-Stick mit besonders viel Platz installiert, sodass mein Buchprojekt nicht von einem bestimmten Rechner abhängig ist. Das macht das Programm ganz sicher ein wenig langsamer als auf dem PC, gibt mir aber wertvolle Flexibilität, ohne die ich in meinem Alltag kaum weiter käme.

Je länger mein Projekt wurde, desto öfter musste ich mühevoll nachschlagen – wie alt war gleich noch einmal Person C und hieß das Mädchen Anne oder Anna? Habe ich dies und das bereits erwähnt oder nicht? In Patchwork kann ich Figurenlisten mitsamt Steckbrief, Bildern usw. anlegen und mir im Text hervorheben lassen, wann ein Charakter erwähnt wird.

Screenshot Autorenprogramm Patchwork
Screenshot: Autorenprogramm Patchwork – links die Szenenübersicht, in der Mitte der Text, rechts eine kurze Zusammenfassung der Szene.

Patchwork arbeitet nicht mit einem großen Textblock, sondern man teilt sein Buch nach einzelnen Kapiteln und Szenen auf, die man jeweils benennen und kurz zusammenfassen kann. Ich kann meinen Szenen ein Datum verpassen, an dem sie spielen und ich mag die Funktion, jede Szene kurz zu beschreiben. Das gibt Struktur und Fokus und man verliert sich weniger in Unwichtigkeiten. Außerdem finde ich die Funktion, mir jederzeit beim Tippen eine ausführliche Liste von Synonymen anzeigen zu lassen, sehr praktisch.

Eine Funktion, die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist die Recherche-Datenbank, die Bilder, PDF-Dateien, Notizen und Website-Links thematisch sortiert übersichtlich bündelt, sodass ich meine Hintergrundinfos schnell wiederfinde.

Alle anderen Funktionen – eine Art Reißbrett, um Szenen zu entwerfen, die Timeline, mit der man auch Zeitsprünge und Erzählperspektive verwalten kann sowie alles was mit Überarbeitung, Korrektur und Layout zu tun hat, habe ich noch gar nicht richtig benutzt. Manches habe ich nicht beim ersten Probieren herausgefunden – zum Beispiel wie ich Vignetten im Layout platziere oder ob ich aus dem Text heraus auf meine Recherche verlinken kann (nein, im Moment leider nicht!). Aber es gibt auf YouTube sehr gute Anleitungsvideos und ein reges Hilfsforum. Und wem das nicht recht, der kann in der Facebook-Gruppe zum Schreiben, dem Schreibblog von Patchwork oder in einer der Arbeitsgemeinschaften vorbeischauen. Es scheint eine ganze Community dahinter zu stecken.

Dieser Post ist daher nur ein Zwischen-Fazit zu Patchwork. Der nächste Erfahrungsbericht kommt bestimmt.

Gerne freue ich mich bis dahin über eure Erfahrungen und Meinungen zu solchen Programmen. Wie schreibt ihr?

Zukunftsszenario oder Verschwörungstheorie: „Eden Academy“ von Lauren Miller

Das Buch „Eden Academy“ (im Original „Free to Fall“) von Lauren Miller hat mich mit seiner Grundidee begeistert: Erschienen 2014, zeichnet es ein Szenario um das Jahr 2030 herum. Die Welt ähnelt unserer heutigen, aber die digitale Technik hat sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiterentwickelt. Die heute großen Tech-Konzerne sind von einer einzigen, alles beherrschenden Firma verdrängt worden, die den Menschen ein begehrtes Smartphone buchstäblich an die Hand gibt, das deren Alltag zum Besseren lenkt. Mit seiner Entscheidungs-App Lux hilft es bei der Wahl des Essens, des Partners, der Ausbildung und macht so das Leben einfacher, besser und glücklicher – oder?

Deutsches Buchcover von „Eden Academy“, erschienen im Ravensburger Verlag

Bis die Hauptperson Rory an die begehrte Elite-Universität Eden Academy kommt, folgt sie diesen neusten digitalen Gadgets wie die meisten anderen blind. In der neuen Stadt lernt sie den Punk North kennen, der sich obwohl oder weil er sich damit auskennt, nicht von der Technik lenken lassen will. Nach und nach kommt Rory einer riesigen Verschwörung auf die Spur, was sie in Lebensgefahr bringt. „Eden Academy“ ist eine Art Tech Thriller, garniert mit einer Liebesgeschichte.

Kann man trotz Technik selber denken?

Die Autorin wirft spannende Fragen auf: Wie viel sollte ein Konzern bestimmen dürfen? Hören wir auf selbst zu denken und auf unsere innere Stimme zu vertrauen, wenn wir auf Technik vertrauen? Können wir von Technik manipuliert werden?

Manchmal hatte ich Sorge, dass die christliche Symbolik im Buch überhand nehmen würde, dass die weitläufiger interpretierbare „innere Stimme“ komplett durch Gott ersetzt werden würde. Aber die Autorin hat es gerade noch geschafft, diese Frage dem Leser zur eigenen Interpretation offen zu lassen. Auch die Balance zwischen Technikbegeisterung und Technikfeindlichkeit gelingt ihr nur haarscharf. Weder das blinde Vertrauen noch der wahnhafte Verschwörungsglaube sind meiner Meinung nach angebracht. Denn wenn wir ehrlich sind, ist ein Zurück zum Papiergeld und zur Schreibmaschine auch nicht die Lösung. Doch das Buch regt zum Selberdenken, Reflektieren und zu einem gesunden Misstrauen an, was ich allen, die sich tagtäglich mit Smartphones, Computern, Social Media Netzwerken und Medien aller Art umgeben nur wünschen kann.

Das Buch „Eden Academy“ richtet sich an junge Erwachsene ab 12 Jahre, ist aber auch für Ältere spannend zu lesen.

So klingt der offizielle englische Trailer zum Buch:

Wilde Sprünge: die Zeitreisen-Trilogie von Julie Cross

Der Zeitreise-Trilogie von Julie Cross muss ich einfach einen eigenen Blogpost widmen, so tief bin ich in den vergangenen Tagen in diese Welt eingetaucht! Konkret geht es um die drei Bände „Sturz in die Zeit“, „Feinde der Zeit“ und „Sturm der Zeit“, die aufeinander aufbauen. Sie sind Liebesgeschichte, Science-Fiction/Fantasy und Agenten-Thriller in einem.

Der Central Park in New York spielt eine zentrale Rolle in Julie Cross‘ Trilogie.
Foto: ORCInternational/Pixabay

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 19-jährige Jackson Meyer, der in einem schicken Apartment in New York wohnt, eine tolle Freundin (Holly) und einen besten Freund (Adam) hat und Literatur studiert. Sein Vater ist viel unterwegs, die Zwillingsschwester mit 14 gestorben und die Mutter ist noch viel länger tot. Als Leser lernt man Jackson erst nach und nach kennen. Ich fand es zuerst ungewöhnlich, dass eine Liebesgeschichte dort beginnt, wo das Paar schon einige Monate glücklich zusammenlebt – quasi da, wo andere Bücher aufhören. Aber kein Wunder, Julie Cross schafft es meisterhaft, dass sich ihre Figuren immer wieder von neuen kennen und lieben lernen müssen. Denn Jackson hat gerade herausgefunden, dass er durch die Zeit reisen kann. Zusammen mit seinem besten Freund experimentiert er damit, erforscht die ungewöhnlichen Fähigkeiten. Bis plötzlich zwei Männer auftauchen und Holly erschießen. An der Stelle hat man Holly noch gar nicht richtig kennengelernt. Jackson springt unter Schock in die Vergangenheit und kann nicht mehr zurück. Holly und Adam kennen ihn (noch) nicht, die Schule will er auch nicht nochmal besuchen und vor allem will er verhindern, dass der Mord nochmal geschieht. Dabei tauchen nach und nach mehr Rätsel und Geheimnisse auf.

Nichts ist, wie es scheint. Nichts ist endgültig. Alle Personen verändern sich, Tod ist nicht endgültig, die Zeit keine feste Größe. Die Zukunft ist veränderlich, die Folgen sind nicht abschätzbar. Selten habe ich ein Buch gelesen, dass so viele spannende Szenen so dicht aneinanderreihen konnte und trotzdem ergibt am Ende alles noch einen Sinn. Auch wenn man sich zwingt, das Buch kurz wegzulegen, grübelt man weiter über Konsequenzen und Lösungen nach.

Neben der tollen Erzählweise mag ich besonders die tiefgründigen und vielschichtigen Figuren. Alle haben Stärken und Schwächen, entwickeln und verändern sich. Darüber hinaus bieten die Romane auch Stoff, über zukünftige Entwicklungen und ihre Konsequenzen nachzudenken – zum Beispiel über die Auswirkungen von Klonen, Kriegen, Stürmen, Virus-Pandemien. Manches war als ich es 2020 gelesen habe, erschreckend aktuell.

All das macht für mich ein gutes Buch aus. – Eine klare Empfehlung!

Als ich gerade nach Illustrationen für den Beitrag suchte, bin ich über einen Trailer und ein Musikvideo zum Buch gestolpert:

Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich es gut finde, Romanfiguren in Trailern und auf Buch-Covern bildlich darzustellen. Sie entsprechen so gut wie nie dem Bild, was ich beim Lesen im Kopf habe. Das ist ja gerade das Schöne am Lesen – das Kopfkino. Aber das ist schon wieder Stoff für einen neuen Blogpost!

Lese-Marathon: 10 Zeitreise-Romane

Zeitreisen als Stoff für Geschichten interessiert mich schon lange und gerade schreibe ich auch selbst an einem Zeitreise-Roman. Derzeit bleibt viel Zeit zum Lesen – Dank E-Book-Reader kommen die Bücher auch superschnell zu mir… In den letzten drei Monaten habe ich 10 Bücher gelesen, in denen es auf die ein oder andere Art um Zeit geht – Inspiration und Selbststudium.

Uhr um 1650 | aus der Sammlung des Victoria and Albert Museum in der Online-Bibliothek Europeana , Lizenz: CC BY

Kerstin Gier: Rubinrot / Smaragdgrün / Saphierblau

Seit Kerstin Gier 2009/10 mit ihrer Edelstein-Trilogie einen Bestseller landete, sind ziemlich viele Zeitreise-Romane im Jugendbuch-Genre erschienen, was ich erst bemerkt habe, als ich 2019 auf Kerstin Giers Bücher stieß. Obwohl ich leider nicht mehr jugendlich bin, hab ich die drei Romane in kurzer Zeit verschlungen. Kurz zusammengefasst geht es um ein 16-jähriges Mädchen namens Gwendolyn Shepherd, deren Familie sich gerade auf die erste Zeitreise von Gwendolyns verwöhnter Cousine Charlotte vorbereitet, die ein geheimnisvolles Zeitreise-Gen geerbt haben soll. Als dann aber nicht Charlotte, sondern Gwendolyn in der Zeit springt, gerät die Familie und eine Geheimgesellschaft in Aufruhr. Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte und jede Menge Action nicht fehlen, doch ich wage zu behaupten, dass der Erfolg der Geschichte auch maßgeblich mit Kerstin Giers witziger Erzählweise zusammenhängt. So ist die Edelstein-Trilogie eine tolle Mischung aus Kriminalgeschichte, Romanze und Komödie.


Michael J. Sullivan: Zeitfuge

Ellis Rogers, ein 58-jähriger Wissenschaftler aus Detroid, hat in seiner Garage eine Zeitmaschine gebaut und als er erfährt, dass er unheilbar krank ist, probiert er sie aus und landet in einer fernen Zukunft. Die ist anders als er erwartet hat und er eine Sensation. Ich will nicht zu viel verraten, daher führe ich das jetzt nicht näher aus. Das Buch wirft an Hand dieser Zukunftsvision Fragen zur Gegenwart auf, die von unserem Umgang mit unserem Planeten über die Rolle von Religion bis hin zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Beziehungen reichen. Schade, dass letzteres anno 2020 überhaupt noch ein Thema sein muss – für den fast 60-jährigen amerikanischen Protagonisten offenbar schon. Das Buch hat mich zugegebenermaßen nicht von Anfang an gepackt, es fiel mich schwer, mich in einen schwer kranken älteren Herrn einzuleben. Aus einer beinahe rein männlichen Perspektive geht es um irgendwie auch sehr amerikanische Probleme. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis ich durch die ersten Kapitel gekommen bin. Aber sobald die Zeitreise endlich begonnen hatte, konnte mich die Geschichte so fesseln, dass ich sie zügig zu Ende gelesen habe.


Elisabeth Dommer: Sonnenwindhaus

Eine faszinierende Vorstellung: Zur Abwechslung einmal kein einzelner Mensch, sondern ein ganzes Haus reist durch die Zeit. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Tristan Röver, der Klavierlehrer des Mädchens Annelie. Nach 11 Jahren taucht er wieder auf, allerdings um Jahrzehnte verjüngt und im Glauben, im Jahr 1930 zu leben. Elisabeth Dommer erzählt vom Zeitgeschehen, den bewegenden Lebensgeschichten verschiedener Menschen, von Liebe und Liebe zur Musik. Trotz nachdenklicher, in sich gekehrter Hauptpersonen und einer ruhigen Erzählweise fesselt die Geschichte. – Ich hab sie in nur zwei Tagen durchgelesen.


Sandra Regnier: Die Lilien-Reihe

Bei einem Ausritt mit ihrer Freundin landet die 16-jährige Julia plötzlich im Frankreich des 17. Jahrhunderts und trifft direkt auf eine Jagdgesellschaft Ludwigs XIV. Es sei einmal dahingestellt, ob der „Sonnenkönig“ wirklich ein kurios gekleidetes Mädchen an seinem Hof aufgenommen hätte, doch das Gedankenspiel gibt dem Leser die Gelegenheit tief in die Intrigen von Versailles einzutauchen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Autorin viel recherchiert und sich um historisch korrekte Fakten bemüht hat. Am Ende des Buchs erläutert sie genau, an welchen Stellen sie der Handlung zuliebe von der wahren Geschichte abgewichen ist. Herausgekommen ist eine unterhaltsame und auch spannende Geschichte mit Intrigen, Liebe und Kriminalfällen. Der einzige Makel des Buchs ist aus meiner Sicht das Ende, das mich mit großen Fragezeichen zurückgelassen hat. Inzwischen hab ich zwar auch die Erklärung der Autorin (Spoiler-Alarm!) dazu gelesen, aber so richtig zufriedenstellt mich das nicht.


Katharina Münz: Aus der Zeit gefallen

Eine Story, die zwar beim besten Willen nicht jugendfrei ist, aber durchaus ihren Reiz hat: Was wäre wenn es einen Wikinger direkt in unsere Gegenwart verschlagen würde? Katharina Münz erzählt die Geschichte sehr witzig aus ständig wechselnden Blickwinkeln, was sie auch sprachlich sehr eindrucksvoll kennzeichnet. Dieser Erzählstil stellt für mich das Herzstück des Romans dar und macht ihn auch so besonders. Gleichzeitig ist das Buch mitreißend und spannend geschrieben. Verzichten könnte ich persönlich gut und gerne auf Anspielungen von Romanen befreundeter Autoren und auf Rezepte, die in der Geschichte vorkommen und im Anhang weiter ausgeschmückt werden.

Triumph der Zeit, Blatt aus der Folge der Triumphe nach Petrarca . Pencz, Georg. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Europeana.eu, CC0-Lizenz, freie Nachnutzung)

Sandra Regnier: Die Pan-Trilogie

Sandra Regniers Pan-Trologie nimmt den Leser nicht nur mit auf Zeitreise, sondern in eine Welt mit Menschen, Elfen, Nixen und Drachen. Bis ein (unglaublich gut aussehender) neuer Mitschüler namens Leaner FitzMor an ihre Schule kommt, hat Hauptperson Felicity Morgan ein eher normales Leben geführt, wenn sie auch neben der Schule ihrer Mutter abends in deren Pub aushelfen muss. Sympatisch macht sie, dass sie in ihrer Außenseiterrolle trotzdem selbstbewusst und schlagfertig ist und sich von Äußerlichkeiten nicht blenden lässt. Möchte man sich auf Elfen und Drachen einlassen, dann wird man mit einer sehr unterhaltsamen, spannenden Geschichte belohnt. Auch einige Ausflüge in die Vergangenheit sind dabei, wobei die in der Geschichte meines Erachtens keine zentrale Rolle spielen, sondern eher eine von vielen vorkommenden übernatürlichen Fähigkeiten sind. Gut fand ich, dass es im Buch keine klaren Linien zwischen „Gut“ und „Böse“ gibt. Zum Ende der Reihe hin hatte ich das Gefühl, dass die Autorin die Geschichte schnell beenden wollte – plötzlich ging es mir zu schnell und als Leser bekam man kaum Zeit, um von plötzlich sterbenden wichtigen Figuren gebührend Abschied zu nehmen.


Tanja Neise: Der Orden der weißen Orchidee 1 & 2

Die junge Übersetzerin Marie erbt den alten Bauernhof ihrer Urgroßmutter, die sie kaum kannte. Mit dem Hof „erbt“ sie aber auch ein Geheimnis, das sie durch die Zeit ins 19. Jahrhundert führt. Dort verliebt sie sich nicht nur, sondern gerät auch in Lebensgefahr und noch tiefer in die Vergangenheit. Ich bin auf die Geschichte aufmerksam geworden, weil die Zeitreise hier durch Bäume funktioniert. Die beiden Bücher lesen sich flüssig und unterhaltsam, wenn ich auch manchmal das Gefühl hatte, dass ich mich als Leser nicht genug in die Hauptpersonen einleben konnte und dass teilweise in der Geschichte einfach zu viel Zeit ins Land ging.


Myra McEntire: Hourglass (Teil 1)

Die Geschichte klang eigentlich spannend und war es in gewisser Weise auch: Die 17-jährige Emerson Cole, geprägt von einer traumatischen Vergangenheit, sieht Szenen aus vergangenen Zeiten mitten in ihrer Umgebung. Erst Michael Weaver von der geheimnisvollen Forschungseinrichtung Hourglass scheint sie zu verstehen. Durch ihn gerät Emerson blitzschnell in einen Strudel der Ereignisse und lernt in kurzer Zeit gefühlt hundert Menschen mit Superkräften kennen. Mir ist es etwas schwer gefallen, mich in Emersons Persönlichkeit – einerseits zurückgezogen, weil traumatisiert, andererseits schlagfertig und entschlossen – einzuleben. Zum anderen fand ich es sehr irritierend, als wie abgöttisch schön und perfekt Michael Weaver beschrieben wurde. Darüber hinaus fand ich die Handlung zu schnell und zu sprunghaft. Die Autorin nahm sich kaum Zeit, die verschiedenen, teilweise nicht unbedingt notwendigen mit geheimnisvollen Kräften begabten Figuren vorzustellen. Die Protagonistin akzeptierte die übernatürlichen Geschehnisse erstaunlich gelassen und wurde flux zur Heldin – ein bisschen wie Matrix im Schnelldurchlauf. Mich zumindest hat diese Erzählweise davon abgehalten, mir Band 2 zu kaufen.


Sabineee Berger: Zeitreise eines Ritters

Dieses E-Book hab ich mir gekauft, weil ich den Gedanken spannend finde, einen Ritter in die Gegenwart reisen zu lassen. Allerdings fand ich den Roman zwar in gewisser Weise unterhaltsam und teilweise witzig, aber nicht besonders tiefgründig. Weder hatte ich den Eindruck, dass eine historisch tiefgründige Recherche stattgefunden hat, noch dass ich mich als Leser besonders gut in die Figuren einleben konnte.


Katrin Brückmann: Feuer der Zeit

„Feuer der Zeit“ lehnt sich etwas an Diana Gabaldons Klassiker „Outlander“ an, nur, dass die Liebesszenen bei Katrin Brückmann nicht ganz so mitreißend und die Figuren nicht so überzeugend ausgearbeitet sind. Durch ein Mittsommernachtsfeuer gelangt die Hauptperson Rena direkt ins alte Germanien. Ihre Motivation, diesen Schritt bewusst zu tun, fand ich nicht ganz glaubwürdig. Allerdings scheint recht viel historische Recherche in die Romane eingeflossen zu sein, man erfährt einiges über die Zeit. Trotzdem gingen mir die Geschehnisse nicht richtig nahe, ich konnte mich nicht ganz in die Personen einleben. Den dritten Band habe ich dann auch nicht mehr gelesen. – Wobei ich auch bei Diana Gabaldon irgendwann nach 4 oder 5 Bänden aufgegeben habe. Manchmal ist weniger mehr.

Ich gestehe, ich lese bereits an einem weiteren Zeitreise-Roman – es wird wohl eine Fortsetzung dieses Blogposts geben müssen.

Was fasziniert euch an Zeitreisen?

MANN ist auch „nur“ ein Mensch

Der Paar- und Sexualtherapeut Eilert Bartels hat 2019 das Buch „huMANNoid | Männer sind Menschen“ veröffentlicht, das mich sehr bewegt hat. Auffällig, dass man den Zusammenhang Mann = Mensch und Frau = Mensch anno 2020 noch betonen muss, nicht wahr? Aber ganz offensichtlich bleibt es notwendig. – Eine Buchvorstellung*.

Das Buch ist eine Interviewsammlung der besonderen Art. Insgesamt standen für das Projekt 16 Männer zwischen 26 und 75 Jahren nackt vor der Kamera und haben im Interview persönlichste Fragen beantwortet.

Buchseite aus „huMANNoid“ von Eilert Bartels

Die Fotos selbst sind schon einmal insofern ungewöhnlich, dass die Fotografierten keine Models sind und die Bilder nicht bearbeitet. (Wer die Fotos genauer ansehen möchte, kann hier eine Galerie sehen.) An solche Bilder sind die meisten von uns nicht gewöhnt, weder bei Frauen- noch bei Männerkörpern – es sei denn, man geht hin und wieder in die Sauna oder zum Nacktbaden. Und obwohl ich eher zur letzteren Gruppe gehöre, musste ich mich erst einmal langsam an die vollflächig bedruckten Buchseiten mit den unbekannten Männern herantasten. Bezeichnenderweise habe ich sie zunächst abgedeckt und erst einmal gelesen. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr entstand bei mir das Gefühl, die Person auf den Bildern kennenzulernen. Und ab einem bestimmten Punkt, fiel es mir dann auch nicht mehr schwer, mich auf die Bilder einzulassen und sie genauer zu betrachten.

„Plötzlich soll ich meinen Körper oder den Körper anderer Männer schön finden?“

– Zitat aus einem Interview in huMANNoid

In den Interviews ging es konsequent nicht um Job, Familienstand, Rollen und gesellschaftlichen Status aller Art. Vielmehr standen immer die gleichen psychologischen Fragen im Mittelpunkt: Was bereitet dir Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel, Lust? Letztere, die männliche Lust, auch zwischen Täter- und Opferrolle, spielte eine besondere Rolle. Das geht vermutlich auf die Prosession des Autors und auf einen der Anlässe zum Projekt zurück: die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015/16, die Männer (nicht zum ersten Mal) pauschal in eine Täterrolle drängten. In „huMANNoid“ wird auf beides eingegangen, indem Eilert Bartels seine Gesprächspartner zunächst fragt, ob sie selbst schon einmal psychische oder physische Gewalt erfahren haben. In diesem Moment beginnt man sich gemeinsam mit dem Interviewten mit der Materie zu beschäftigen und bemerkt, wie fließend hier die Grenzen sind zwischen dem, was als noch „normal“ und was bereits als übergriffig wahrgenommen wird. Durch diese Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, fällt es dann leichter, im Interview auch darüber zu reflektieren, ob man selbst schon einmal übergriffig geworden ist. Ich persönlich habe mir mit jedem gelesenen Interview die Fragen auch selbst gestellt und kann es sehr empfehlen, sie einfach einmal an sich heran zu lassen.

Mich persönlich ärgert Ungerechtigkeit aller Art, die gegen Frauen, die gegen Männer, gegen Menschengruppen eben. Das fängt bei platten Witzen an, geht vorbei an groben Pauschalisierungen und hört bei spürbaren Benachteiligungen auf.

Inzwischen hat die Forschung meines Wissens gezeigt, dass es nicht das „typisch“ Weibliche bzw. Männliche gibt, sondern dass das Spektrum innerhalb der Geschlechter größer ist als zwischen den Geschlechtern. Es gibt also sowohl Frauen und Männer mit überwiegend männlich konnotierten Eigenschaften und Frauen und Männer mit überwiegend weiblich besetzten Charakterzügen. Das ist menschlich und vieles, was wir für „typisch das eine“ oder „typisch das andere“ ist von klein auf so erlernt.

Buchseite aus „huMANNoid“ von Eilert Bartels

Auch dieser Einfluss von Erziehung und Erfahrungen spielte in den Interviews eine große Rolle. Mit jedem Interview kamen auch neue Aspekte und Eindrücke hinzu. In Anbetracht von manchen Erlebnissen, die da geschildert wurden, begann ich mich immer dankbarer für mein eigenes Elternhaus und soziales Umfeld zu fühlen. Letztlich werden wir Menschen schließlich jahrelang durch unsere Umgebung geformt. Glücklicherweise verzichtete das Buch darauf, Männer pauschal in eine Opferrolle zu stellen, sondern verlangt dem Leser einfach einen genaueren, unvoreingenommenen Blick auf Menschen ab.

Obwohl das Spektrum der Interviewten sehr breit war, hatte ich trotzdem nicht das Gefühl, dass es ausgewogen war. Das liegt daran, dass alle Interviewten ja völlig freiwillig an dem Projekt teilgenommen haben, was wiederum jemanden leichter fällt, der bereits gründlich über seine Identität nachgedacht hat. Zumindest kam es mir so vor, als hätten überdurchschnittlich viele der vorgestellten Männer schon einmal in Männergruppen über ihr Mannsein nachgedacht oder waren in der Tandra-Szene aktiv. Gerne hätte ich den Männern (und Frauen) in meiner Umgebung genau die gleichen Fragen gestellt, um die Erfahrungen weiter einzuordnen. Bei dem Versuch bin ich allerdings vorerst abgeblitzt – und ich fürchte, dass viele nicht bereit sein würden, so viel von sich Preis zu geben und sich so intensiv mit sich selbst zu beschäftigten wie die von Bartels Interviewten. Für so viel Mut gebührt ihnen Anerkennung.

Trotzdem ist es mir nicht immer leicht gefallen, mich auf die interviewten Männer einzulassen. Natürlich bildet man sich ganz automatisch vorschnell eine Meinung zu einer Person. Manche Ansichten und Empfindungen konnte ich auch schlicht nicht teilen. Das Lesen eines Interviews hat mich dann dem Interviewten näher gebracht, ich hab ihn neu gesehen und zumindest verstehen gelernt – als Mensch gesehen. Eilert Bartels Buch lehrt uns, auch im Alltag genauer hinzuschauen, nachzufragen, den Menschen hinter der gesellschaftlichen Fassade zu sehen – kurz gesagt, mehr Empathie zu zeigen.

Perfekt wäre das Buch für mich gewesen, wenn es Menschen beiderlei Geschlechts vorgestellt hätte. Dann wäre überdeutlich geworden, wie ähnlich wir uns alle sind in unserem Denken, unseren Ängsten, Freuden und unseren Erfahrungen.

Eilert Bartels
huMANNoid – Männer sind Menschen
2018
336 Seiten
ISBN-13: 978-3943622386

*Für die Rezension wurde mir ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Zwischen Wunder und Wirklichkeit

Viele Bücher lassen sich Genres eindeutig zuordnen: bodenständiger realitätsnaher Roman oder Fantasy, Sachbuch oder Kinderbuch, Krimi oder historischer Roman? Das sind die Genres, die beispielsweise die Literatur-Community Lovely Books ihren Mitgliedern anbietet. Aber manche Bücher bewegen sich irgendwo dazwischen und das macht es den Autoren, den Lesern und den Portalen/Verlagen manchmal nicht leicht.

Aber gerade solche Geschichten beschäftigen mich besonders – als Leser und als jemand, der gerne schreibt.

Howard Pyle: The Princess Dwells in the Oak Tree Where ye Wild Pigeons Come to Feed Her, for „The Wonder Clock, 1887, The Metropolitan Museum Purchase, Rogers Fund, 1926; transfered to the Print Department, 1967, CC0

Natürlich haben auch „normale“ Romane mit verlässlichem realistischen oder auch historischem Setting ihren Reiz und auch die lese ich gerne, wenn mich die Geschichte anspricht. Auch Fantasy-Romane, die ja meist eine ganz eigene Welt mit fabelhaften Gestalten erschaffen, habe ich schon gelesen und sogar geschrieben (aber nicht veröffentlicht). Was mich aber besonders reizt, ist, wenn die fantastische Welt in die gewöhnliche hineinsickert, wenn plötzlich der alltägliche Trott gebrochen wird durch Geschehnisse, die nicht sein können. Dann kann man die Frage stellen: Was wäre wenn?

Wenn Geschichten nicht ins Genre passen

Auch das Genre Science Fiction gefällt mir, weil es auslotet, was in Zukunft mit Hilfe der Entwicklungen moderner Technik und Wissenschaft vielleicht einmal sein könnte – oder auch nicht. Aber wohin mit den Geschichten, die nur teilweise fantastische Elemente enthalten? Zeitreise-Geschichten zum Beispiel, die ansonsten relativ realitätsnah bleiben. Meines Erachtens werden solche Bücher oft mangels Schublade nicht gefunden oder von Leuten gefunden, die gar keine fantastischen Elemente in ihrem Lesestoff haben wollten. Oder kennt jemand einen passenden Suchbegriff dafür?

Eine Meisterin solcher Geschichten ist übrigens die Thüringer Autorin Elisabeth Dommer. In diesem Jahr hat sie einen neuen Band mit wundersamen Erzählungen herausgebracht, der die eigene Wahrnehmung manchmal in Frage stellt und eben diese Grenzen zwischen Realität und Fantasie auslotet. „Der unheimliche Zauber der Sterne“ heißt das Buch, das elf mal kürzere, mal längere Geschichten beinhaltet, von denen die meisten fantastische Elemente besitzen.

Bücher im falschen Regal

Bei einer Lesung mit Elisabeth Dommer konnte ich aber an den Reaktionen des Publikums sehen, dass nicht alle Leute solche fantastischen Elemente in Geschichten akzeptieren wollen. Manchen gefällt es einfach nicht, sie wollen gern, dass die Dinge auf festem Boden stehen und so auch in Wirklichkeit passiert sein könnten. Wenn sie durch Zufall – zum Beispiel durch eine falsche Genre-Einordnung – an so ein Buch geraten, sind sie womöglich frustriert und geben dem Buch eine schlechte Kritik. Dann haben weder Leser noch Autor etwas davon.

Was sind eure Erfahrungen? Findet ihr in den gängigen Genre-Aufteilungen immer zielstrebig, wonach ihr sucht? Oder wählt ihr eure Lektüre ohnehin lieber an Hand der Buchcover oder auf Grund von Empfehlungen aus?

Wie lebten die Menschen im Mittelalter wirklich? – 3 Lesetipps

Das Leben in früheren Zeiten fasziniert mich seit eh und je. Besonders spannend finde ich immer noch den Gedanken einer Zeitreise. Wie wäre es, wenn man eine andere Zeit einfach so besuchen könnte? Lebten die Menschen wirklich so, wie wir heute glauben? Die Forschung entdeckt natürlich ständig neue Details und manchmal müssen althergebrachte Ansichten revidiert werden.

Die französische Schriftstellerin und Philosophin Christine de Pizan, 1364 in Venedig geboren, konnte als erste Autorin der französischen Literatur von ihren Büchern leben.
Christine de Pizan from BL Harley 4431, f. 261v l. Christine de Pizan (index Christine de Pisan). The British Library. Public Domain Mark

Badeten die Leute zum Beispiel wirklich so selten? Rochen sie unangenehm? Waren Ritter – quasi die Elitesoldaten der damaligen Zeit – tatsächlich schwerfällig und unbeweglich? Hatten sie Karies? Wenn man wie ich versucht, einen historisch angehauchten Roman zu schreiben, möchte man die Zeit möglichst lebendig und gleichzeitig glaubwürdig darstellen. Die Geschichte soll möglichst keine platten, inzwischen widerlegten Mythen wiederkäuen. Manchmal muss ich aufpassen, dass ich statt selbst zu schreiben, nicht nur noch historische Fachliteratur lese. Meistens lese ich an mehreren solchen Büchern gleichzeitig.

3 Lesetipps zum Alltag im Mittelalter

Die folgenden drei Bücher finde ich persönlich sehr hilfreich. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar. Alle drei Bücher sind in den letzten fünf Jahren erschienen. Sie sind populärwissenschaftlich und unterhaltsam geschrieben, beruhen aber dennoch auf überprüfbaren Fakten. Für mich liefern sie hin und wieder interessante Details, vermitteln ein Gefühl für die Zeit und sorgen für Inspiration beim Schreiben.

Christine de Pisan from BL Harley 4431, f. 3 l. Christine de Pizan (index Christine de Pisan). The British Library. Public Domain Mark

Ian Mortimer: Im Mittelalter – Handbuch für Zeitreisende

Der britische Autor Ian Mortimer lädt den Leser in seinem „Handbuch für Zeitreisende“ zu einer fiktiven Zeitreise ein. Auf humorvolle und informative Art beschreibt er England im Mittelalter und setzt es dabei die ganze Zeit über in Beziehung zu unserer heutigen Wahrnehmung. Denn schließlich betrachten wir die Geschichte immer aus unserer eigenen Zeit heraus. In vielen Punkten lässt sich die britische Historie auch auf das damalige Leben auf dem Kontinent übertragen. Das Buch dreht sich nicht um die große Politik dieser Zeit. Es geht vielmehr darum, was man beim Reisen über die damaligen Landstraßen beachten musste, wo man eine gute Unterkunft fand, was es zu essen gab, wie die Rechtssprechung funktionierte und wer lesen und schreiben konnte. Dabei beruhen die Ausführungen des Historikers und Literaturwissenschaftlers durchaus auf historischen Quellen.

Annette Großbongardt (Hrsg.)/ Johannes Saltzwedel (Hrsg.): Leben im Mittelalter: Der Alltag von Rittern, Mönchen, Bauern und Kaufleuten

Das 2015 erschienene Buch „Leben im Mittelalter“ versammelt die Recherchen unterschiedlicher Autoren zum Thema. Es hat den Anspruch zu untersuchen, wie das Alltagsleben vor 1000 Jahren wirklich aussah. Geben die Filme, Bücher und Mittelaltermärkte unserer Zeit ein realistisches oder eher verklärendes Bild ab? Oft nehmen die Autoren der Kapitel, die aus Journalisten und Historikern bestehen, historische Personen als Ausgangspunkt, um die damaligen Verhältnisse anschaulich darzustellen. Am Ende bekommt man einen guten Einblick in viele verschiedene Lebensbereiche der unterschiedlichen mittelalterlichen Gesellschaftsschichten. Weil eben alle die so unterschiedlichen Schichten abgehandelt werden, bleibt es dann auch bei einem Überblick.

Tillmann Bendikowski: Ein Jahr im Mittelalter: Essen und Feiern, Reisen und Kämpfen, Herrschen und Strafen, Glauben und Lieben

Ganz neu im September 2019 erschienen ist das Buch „Ein Jahr im Mittelalter“ des Journalisten und Historikers Tillmann Bendikowski. Im Fokus steht hier die deutsche Geschichte. Aufgeteilt nach Monatskapiteln, verwebt der Autor historische Ereignisse mit der Beschreibung alltäglicher Herausforderungen im Leben der Menschen. Es geht um die Beschaffenheit der Straßen und das Risiko, dort überfallen zu werden, um Ernten und Hungersnöte, um das Verhältnis zwischen Mann und Frau, um Religion. Das Buch ist gleichzeitig unterhaltsam und verständlich geschrieben und mit zahlreichen Fußnoten versehen.

Welche Sachbücher könnt ihr empfehlen?

Unsichtbare Frauen?

Dam som skriver brev / Lady Writing a Letter, by Albert Edelfelt.
Nationalmuseum, Sweden | Public Domain Mark

Das Thema beschäftigt mich schon seit ich in der Schulzeit herausgefunden habe, dass es einen Literaturkanon und Literaturkritiker gibt, die Bücher für gut oder weniger gut befinden. Seitdem frage ich mich immer mal wieder: Wer bestimmt, welche Bücher und Autoren dort auftauchen? Und ist es Zufall, dass sich dort so wenige Frauen befinden? Schreiben Frauen einfach schlechter? Oder treffen sie nur schlechter den Geschmack der Literaturkritiker? Gilt Literatur von Frauen, die andere Frauen anspricht, per se als trivial?

Ich freue mich, dass Rhiannon vom Blog Schreiben als Hobby einen in diese Richtung gehenden Kommentar von mir gleich aufgegriffen hat, um das Thema zur Diskussion zu stellen. Ich bin gespannt auf die Antworten. Ein paar sind schon eingegangen und deutlich wird, dass der Begriff „Frauenroman“ an sich negativ besetzt ist und dass der Begriff auch keinen Sinn ergibt, denn es ist kein Genre an sich. Deshalb möchte ich das Wort hier auch nicht verwenden oder definieren.

Ich bin nicht die einzige, die sich diese Fragen gestellt hat. Es gibt auch Menschen, die darüber forschen. Interessant finde ich beispielsweise dieses Interview mit Doktor Veronika Schuchter im Deutschlandfunk. Ihre These ist, dass Mädchen von klein auf mit von Männern verfassten Texten sozialisiert sind (dank des männlich dominierten Literaturkanons) und es ihnen leichter fällt, auch männliche Perspektiven einzunehmen. Umgekehrt wird Mann seltener mit weiblichen Sichtweisen konfrontiert und kann zu Büchern aus Frauenperspektive schlechter einen Zugang finden.

Immer wenn es um Gender geht, wird es meiner Meinung nach schnell pauschal. Menschen sind sehr unterschiedlich und ich will mir hier kein Urteil erlauben. Aber ich würde die Fragen gern zur Diskussion stellen:

Haben die Autoren deiner Lieblingsbücher das gleiche Geschlecht wie du?

Gibt es überhaupt „männlichere“ und „weiblichere“ Arten zu schreiben?

Zahlen bitte!

Das „Frauenproblem“ im Literaturbetrieb greifen auch andere auf, z.B. Katy Derbyshire in diesem ZEIT-Artikel. Sie trägt eine Reihe Zahlen zusammen, die belegen, dass Bücher von Frauen nicht nur gefühlt seltener übersetzt werden und auch weniger Preise gewinnen, sondern auch real.

Auch Nina George hat sich in ihrem Artikel im Börsenblatt Zeit genommen, nachzuzählen. Sie stellt fest, dass Bücher von Frauen seltener in den renommierten Verlagen erscheinen, dass sie weniger Preise (und Nominierungen dafür) erhalten und auch weniger Geld.

A woman with long red hair is lying down reading a book. Coloured mezzotint by Jean Jaques Henner. Wellcome Collection. CC BY

Gefühl = Kitsch?

Außer den bloßen Zahlen, die ja wie immer auch die Geschlechterverteilung in den Jurys, Feuilleton-Redaktionen und Verlagen spiegeln, greift Nina George ein anderes wichtiges Thema auf. Es sind die von Frauen aufgegriffenen literarischen Themen, die ein männliches Publikum oft einfach nicht genauso ansprechen wie ein weibliches. Und je mehr es um Gefühle geht, desto schneller könnte es sich auch um Kitsch handeln, nicht wahr? Bei Kritikern und Jurys eher gefragt sind nüchterne, analytische Bücher.

Zum Nachdenken anregend finde ich Nina Georges Schlussfolgerung:

„Für mich liegen die Antworten auf die Frauenfrage auch NEBEN dem Literaturbetrieb. In der Erziehung, in der Auswahl von Lehrmaterialien, in der Gesellschaft, ihren Leit-Memen, und dem Rollback zur Rosa/Hellblau-Simplifizierung. Und: in den Hauptfiguren, die wir, die Autorinnen und Autoren, erschaffen. Welches Bild zeichnen wir denn von Frauen und Männern? Auch das wird, neben aufgeregten Debatten zu Quoten, zu hinterfragen sein.“

Nina George im Börsenblatt

Damit hat sie recht, denn es ist schließlich kein ausschließliches Phänomen im Literaturbetrieb. In der bildenden Kunst, in der Musik und z. T. auch in der Politik sieht es nicht anders aus.

Mit diesen Gedanken werde ich nun meine eigenen weiblichen Romanfiguren und die meiner Lieblingsautoren begutachten. Was sind das eigentlich für Frauen? Haben sie das Zeug, die Gegenwart oder Zukunft zu ändern? Oder bediene ich auch nur die gleichen Klischees, über die ich mich gerade beschwere?

Dazu vielleicht in einem anderen Blogpost mehr.